tkd-stammtisch 131119 18_00

um plateauschuhe zu bauen benötigt man 2 dinge: plateau und schuhe.

dieser herausforderung haben sich die studierenden beim heutigen stammtisch gestellt, um die wesentlichen niveaubarrieren zwischen einer transgeschlechtlichen durchschnittskörpergrösse von 1,73 metern und den höher gelegenen spind-fächern zu überwinden.

dazu wurden vorhandene pantoffeln im japan-denim-style fragmentiert und ihrer funktion beraubt. um die pantoffel in zukünftige plateoffels zu verwandeln benötigt es aktuell mehr zeit. momentan sind sie lediglich ein destillat aus fragilität und impulsivität. nach ausführlichen team-meetings und konkretisierungen werden die schuhe allerdings zeitnah ihren einsatz als distanz-minderndes tool antreten können.

während des destruktiven gestaltungs-prozesses entertainte man sich gegenseitig mit bizarren erzählungen aus dem heimatlichen umfeld. die anekdoten verwiesen oft auf pietätlose moralen, unter anderem, dass die unachtsam-häufige verwendung von spielwaren zu inzestiösem verhalten führen kann oder die nekrophilie oft im wohnzimmer ihr ende findet.

kulinarisch wurden unsere gaumen von der stv-tkd verwöhnt, die wie immer einen grossartigen job macht. von hummus bis chips, von rotwein bis bier blieben keine wünsche offen. g‘schmeckt hat es allen.

protokoll für projexkursion:

  • stadt / land
  • sozial
  • interaktiv
  • un-orte
  • finanzielle sicherheit
  • unsicherheit
  • system

 

text + foto: florian hareter

 

 

Dinge, die

come closer slowly

Ein Text von Gilbert Bretterbauer, der an die Ausstellung „Dinge, die“ anknüpft

dachte immer, wenn der rücken schmerzt, müsse genau in diese stelle des wehtuns hinein eine dehnende bewegung gemacht werden, damit sich dort die verspannung löst. (the pain is your teacher! höre ich den yogalehrer immer wieder sagen, aber nicht zu mir, der schon seit 50 atmenzügen im kopfstand stehend, mit tränen in den augen, mich langsam mit dem umgekehrten raum abfinde, sondern zu jemandem, der sich in eine stellung hineinbemüht, aus der heraus, wie ich später von ihm erfahren musste, er sich den miniskus ruiniert hat). also stelle ich mich (was ohnedies niemand bemerkt), in unangemessen weiter entfernung zur bar, die ein küchenregal, das voll von unterschiedlichen zustandsbildern von orangen ist und beuge mich zur übernahme der kleinen bierflasche, damit sich diese, seit gestern anhaltende rückenmuskulatur streckt. das ist sehr unangenehm, der erste schluck des kalten getränks wird als trostschluck vergeudet, erst der zweite wirkt wirklich, und da in doppeltem sinn: das ziehen lässt etwas nach, der alkohol mildert mein hartes urteil, der körper müsse funktionieren. übrigens passt diese episode, die so nicht einmal stattgefunden hat (ich nehme nämlich heißen schwarzen tee und vorerst aufgrund der kälte nicht das bier), zu der unwirklichen empfindung, geldscheine würden mich an der stirn kitzeln. später stellt sich heraus, dass dieser eindruck nicht auf die wirkung des alkohols auf nüchternen magen zurückzuführen ist, sondern eine reale erfahrung künstlerischer arbeiten an einer wäscheleine in der soutterain-galerie pinacotek ist. schon jetzt wirkt einiges verwirrend, begonnen mit meiner absicht, den neuen, eigens an meinen kleinen finger angepassten, massiven, in rajasthan hergestellten silberring, beim öffnen der türe nicht an die türklinke zu pressen, um keine einkerbungen zu hinterlassen, wo doch die türe beim eintreten bereits offen stand. die alten holzbretter im boden, sind durch meine schritte richtung ofen, wo sich über dem frischen feuer mein händepaar plötzlich mit drei anderen fremden handpaaren kreuzen wird, derart in schwingung geraten, dass ein tisch zu wackeln begann und die, ursprünglich aufgestellte arbeit, ein zusammengefaltetes blatt papier, auf dem, wie auf einen blick zu erkennen ist, mit füllfeder das wort füllfeder geschrieben steht, umfallen ließ. das blaue rad habe ich mit den vom färbewasser des blauen schals tiefblau gefärbten händen (worauf mich im laufe des abends aufmerksamer weise eine der künstlerinnen ansprechen wird, und nicht nur das, sie wird eine analogie zwischen den blauen fingernägeln, die beim waschen des von mir im souk von marrakesh einem tuareg abgekauften tuchs, die farbe angenommen haben und der blauen jeansjacke, sowie der darüber getragenen, an den ärmeln zerschlissenen blauen army-jacke, herstellen), also mit diesen händen das blaue kettenschloss schließen und hinuntersteigen in den ausstellungsraum, wo ich in ein kleines notizheft eintragungen machen werde, die die grundlage eines textes bilden sollten, den mich die kuratorin der ausstellung zu verfassen gebeten hat. direkt von einer besprechung, zu einer, meine arbeit betreffenden ausstellung, aus dem büro eines anderen kurators, kommend, wärme ich mir die hände nicht nur über einem ofen, in dem zu einer galerie ausgebauten keller, sondern nehme zusätzlich gerne, einen, von der betreiberin des projektraumes, in ein türkisches glas geleerten schwarzen tee entgegen, mit dem ich dann vorhabe, die ausgestellten kunstwerke zu betrachten, nicht ahnend, dass mich, noch bevor ich meine aufmerksamkeit auf einige, zwischen fußboden und wand sorgfältig platzierte tonteilchen richten kann, der in new york lebende freund und künstler, den ich seit jahren nicht mehr gesehen habe, begrüßen wird. ebenso seit jahren, bin ich der frau nicht mehr begegnet, die mir, aus dem lift des 12-stöckigen hochauses tretend, entgegenkommt, an deren dunkelviolette seidene bettwäsche ich mich erinnere, während wir einander, in einer innigen umarmung, festhalten. nun gilt es, bevor noch an das verfassen eines texts zu denken ist, zwischen den, auf eine schnur aufgefädelten tonkügelchen und den, mit knöpfen versehenen textiltüchern stehend, eine verbindung zwischen folgenden umständen herzustellen: vor dem hochaus am donaukanal stehen und den kurator genau in dem moment anrufen (ich will erfahren, welche top nummer an der gegensprechanlage zu drücken sei, damit er seine türe öffnet), in dem sich die frau, im gegensatz zu mir, der vor einem gespräch steht, von einem gespräch verabschiedet, und die ich einige augenblicke später im hausflur vor dem lift nach 20 jahren abwesenheit umarmen werde und eine stunde später bei der eröffnung einer ausstellung, über deren inhalt es einen text zu schreiben gilt, dem künstler, den ich ebensoviele jahre (was übertrieben ist), trotz seiner wiederholt an mich gerichteten einladung, ihn in seinem haus im kalifornischen death valley zu besuchen, nicht mehr gesehen habe, begegnen. die unmittelbare situation scheint geklärt zu sein, einige wenige dinge haben sich trotz ablenkungen in meine wahrnehmung hineingedrängt, in weiterer folge werden kleinste aufzeichnungen notiert, die sich eher an den um mich stattfindenden gesprächen orientieren, als an dem, mir selbst suspekt scheinenden direkten blick auf die kunstwerke, geschweige denn an meinen, wie eine üppige last mitgebrachten einschätzungen und da kann es schon passieren, dass, während ich allmählich die anordnung der unterschiedlich bearbeiteten orangen zu verstehen beginne, mich wieder sätze, wie, nach der vernissage wurde es dann nicht ganz so lustig, weil der typ, der sonst sehr viel redet, in der gruppe total geschwiegen hat, worauf seine freundin echt verfallen ist und es mir schlagartig noch schlechter ging als ohnedies schon an diesem abend, von der bereitschaft, mich den werken und ihrer aussage zu überlassen, abhalten.

Gilbert Bretterbauer, 2016

 

5.-12. März 2016
Eine Ausstellung zu einem Text von Jutta Koether über Dinge, die Kunst machen und Dinge, die Kunst macht betreut und kuratiert von Constanze Schweiger.

pinacoteca 

Große Neugasse 44
1040 Wien  

pinacoteca22@gmail.com
http://pinacoteca22.blogspot.at/

Öffnungszeiten während der Ausstellungen
Do      18-21h
Sa/So 15-17h
und nach Vereinbarung unter +43 (0) 664 73326859

Foto © Thomas Ries

BETWEEN DARKNESS AND LIGHT

Gardine1

16.12.2015 – 28.01.2016

BETWEEN DARKNESS AND LIGHT ist in Form von geführten Rundgängen zwischen dem 16. Dezember und dem 28. Jänner begehbar und besuchbar.

Bildschirmfoto 2016-01-11 um 19.04.49

Licht, Zeit, Architektur und Raum sind eng miteinander verbunden. So sind die dunklen Tage Ende Dezember und die vor Jahren aufgelassene Tankstelle und Waschstraße im Parkhaus in der Dametzstraße Anlass und Ort für das Projekt BETWEEN DARKNESS AND LIGHT.

Die grob adaptierte Tankstelle dient als zwielichtiger Ort und Schnittstelle zum öffentlichen Raum.

Studierende des Institutes für Kunst und Bildung – Künstlerische Praxis – sowie der Studienrichtung textil·kunst·design entwickelten ortsbezogene Arbeiten, Installationen und Interventionen. Ausgangspunkt war die Auseinandersetzung mit der Phänomenologie von Licht und die Geschichte der wissenschaftlichen, künstlerischen und theatralischen Untersuchungen und Anwendungen von Schatten und Licht im Raum, in Kino und Film, in der Fotografie, im Theater und im öffentlichen Raum.

Im Wintersemester 2015 wurden Gäste eingeladen, in Lehrveranstaltungen über Schatten und Licht gearbeitet und in Räumen des OK experimentiert und ausprobiert.

 

Termine mit geführten Rundgängen (keine Anmeldung erforderlich):
• Di, 12. Jänner, 17.00 – 20.00 Uhr, 19.00 Uhr, Künstlergespräch mit Mischa Kuball im OK
• Do, 21. Jänner, 17.00 – 20.00 Uhr
• Do, 28. Jänner, 17.00 – 20.00 Uhr, anschließend Finissage im Rahmen des LA‘DO

Familien Special:
• So, 3. Jänner, 15.00 Uhr, SUUUPER SONNTAG mit Filmprogramm im Moviemento und Familienführung

 

Mit Arbeiten von
ISABELLA AHRENS, ANNA BALDINGER, NICOL BAUMGÄRTL, CLAUDIA CRUCERU, PAUL ESS, KLAUS GÖLZ, CHRISTINE GUNZER, MARKUS KAGER, YESEUL KWON, URBAN LANG, TANJA LEITGEB, JULIA MOSER, MIRIAM NEITSCH, CHRISTINA PEICHLER, VANESSA PICHORNER, VERA RUPP, ADINA DANIELA SOCOLIUC, JULIA STEINER, PIA STERNBAUER, ILONA STUETZ, VILDAN TURALIC, NINO WALLISCH, SABINE WATSCHKA & MICHAEL WLASCHITZ, JULIA WEINKNECHT, ERICH WILLNER, NORA WIMMER

 

Organisiert und betreut von Hubert Lobnig und Veronika Barnaš – Künstlerische Praxis am Institut für Kunst und Bildung, Kunstuniversität Linz.
Mitarbeit Kunstuniversität: Horst Basting, Anna Erber, Melanie Greußing, Verena Kroupa, Wolfgang Schreibelmayr, Katharina Hager von Strobele, Franziska Thurner
OK Offenes Kulturhaus: Rainer Jessl, Genoveva Rückert, Manuela Gruber
Gäste: Siegrun Appelt, Daniel Barrow, Mischa Kuball

 

Ausgewählte Studentenprojekte: 

Isabella Ahrens
konkret_verzerrt
, 2015
Teichfolien-Scherenschnitt im Innenraum und im öffentlichen Raum
jeweils 2 x 3 m

Ausgangspunkt dieser Arbeit war der Film „Im Schatten des Zweifels“ (Shadow of a doubt, 1943) von Alfred Hitchcock, in dem der Schatten eine zentrale Rolle spielt und dessen Wirkung im Innenraum bewusst für die Bildsprache eigesetzt wird. Besonders durch die starke Verzerrung der Schatten, die ins Innere der Gebäude fallen, spielt der Regisseur mit der Fantasie des Zuschauers.

Gerade die Fantasie und der Wunsch, Dinge im Schatten erkennen zu wollen, ist wichtiger Teil der Arbeit konkret_verzerrt.

Die Fantasie spielt auch bei Scherenschnitten, die meist bei märchenhaften Darstellungen fantastische Formen und Figuren annehmen und dabei eine Geschichte schattenhaft verbildlichen, eine wichtige Rolle.

Ähnlich wie bei den Schatten, die in den Raum dringen, suchen die Betrachtenden elementare Formen heraus und lassen neue Bilder im Kopf entstehen.

Isabella Ahrens, MSc., BA, geb. 1989
Master-Studium für Textil.Kunst.Design, Kunstuniversität Linz
Ausstellungen: 
2013 Tapestry Vernissage in Traun; Trier Galerie, Trier, DE; 2013 IFK, Wien
2012 Thyssen Bornemisza Art Contemporary, Wien; Indigo Première Vision, Paris, FR

 

Isabella Ahrens
© Isabella Ahrens

 

Anna Baldinger
Thorax (Existenz einer oszillierenden Reaktion),
 2015
Rauminstallation
Sound: Herzfrequenz der Künstlerin

Das Herzstück der Arbeit ist ein, im Rhythmus der zu hörenden Herzfrequenz, oszillierendes rotes Licht.

Der Raum wird mit dem Herzschlag der Künstlerin auditiv und visuell rhythmisiert.Das dabei eingesetzte rote Licht spielt mit der kantigen Architektur des Raumes und soll an einen menschlichen Brustkorb erinnern, der einen stabilen Schutz für wichtige lebenserhaltende Organe bildet. Den BetrachterInnen offenbart sich eine umhüllende Atmosphäre und ein intimer Einblick. Auch im öffentlichen Raum ist das Licht der Installation durch die milchigen Glasscheiben sichtbar und ein von weitem wahrnehmbares Zeichen für die Ausstellung.

Anna Baldinger, geb. 1987 in Grieskirchen, lebt und arbeitet in Linz seit 2013 Lehramtsstudium Bildnerische Erziehung und Textiles Gestalten, Kunstuniversität  Linz, seit 2009 Studium Kunstgeschichte, Universität Wien
Gruppenausstellungen: 
2014 crash curtain, Perspektiven Attersee, OÖ.
Exen: Zwischenlandung.1, Galerie HollaBolla, Eschen, FL 2015
Textile Space, Salzburg Museum Neue Residenz
2013 b-sides of design 1.0, Coffein Stadtcafé, Schwaz, Tirol
2009 Federn machen Vögel – Von Sängern, Aasfressern und Sturzpiloten, Schloss Trautenfels, Stmk.
2007 Rheine Ansichtssache, Rheinufer, FL
2006–2007 Künstlerischer Vorkurs, Kunstschule Nendeln, FL


Nicol Baumgärtl
Inside Out
, 2015
Objekt-Metallbox
Diaprojektor

Inside Out ist aus der Vorstellung entstanden, dass jeder Mensch aus Geschichten besteht und beschäftigt sich mit der Frage: „Was macht mich aus? Warum bin ich ich?“
Eine Box wird zum Ort der Sammlung von Erinnerungen und Wünschen, Geschichten von Erlebnissen und Nichterlebnissen der Künstlerin. Einige dieser Geschichten, womöglich die wesentlichsten, scheinen in der Box für immer vergraben zu sein. Um diese zu beleuchten und zurück ins Leben holen, können sich die BesucherInnen Schritt für Schritt auf die Suche nach den Bildern, Erinnerungen und Wünschen
machen.

Inside Out. Das Innere nach Außen kehren.

Inside – Out
eine Geschichtssammlung
eine Box voll Geschichten
teils erleuchtet – sichtbar – zugänglich
teils verdunkelt – vergraben – vergessen
sie mit sich tragen – sie ertragen
sie öffnen – sie beleuchten
sie erkennen – sie zurück ins Leben holen
diskutieren mit sich selbst
eine Aufgabe
Geschichten von mir selbst
es war einmal und wirkt im jetzt
wer bin ich?
Geschichten
gesammelt
in einer Box

verschlossen – verdunkelt – im Schatten
Schaut man rein oder schauen sie raus?
die Aufgabe
sie für mich zu beleuchten

Licht um zu erkennen
um zu verstehen
Inside – Out?
herausschauen – durchdringen – ausbrechen
erkennen – verstehen
ein Foto für damals
Ich als jetzt
die Zeit dazwischen
ein Raum für Geschichten
gesammelt
in einer Box
zum Beleuchten bereit
zufällig beim vorbeigehen
und doch Schritt für Schritt
Inside – Out!

Nicol Baumgärtl, geb. 1987 in Ingolstadt, DE
2007 Abitur mit Kunst als Hauptfach
seit 2008 Maskenbildnerin an der Oper in Chemnitz, DE und am Landestheater Linz
seit 2013 freiberufliche Maskenbildnerin
seit 2013 Lehramt Textiles Gestalten, Technologie & Design an der Kunstuniversität LinzAusstellungen/Preise: 
deutscher Jugend-Kunst-Preis der Deutschen Bank Stiftung, Museum Küppersmühle, Duisburg/Deutschland
MaskenBilder IHK – im Haus der Wirtschaft Karlsruhe, DE

 

Claudia Cruceru
Light
, 2015
Farbfolien

Farbige, transparente Farbfilter an den Bullaugen der ehemaligen Autowerkstätte, filtern das Licht in beide Richtungen und sind im Innenraum und im Außenraum unterschiedlich wahrnehmbar.

The work deals with the decomposition of light and also creating colourful shadows. The light has the meaning of life, and all that is positive, the good tolerance and agape love. Moreover shadows mean negative. But in my work colourful shadows symbolize the intention to hide the bad and the lack of light.
Also they intended to show the little things worthless as if they did. As if they were of great value to humanity.

Pure colours represent good values, while dark colours represent the lack of them.
The work consists of a series of compositions made with different colour filters. For a more intense colour have been glued several layers of filter. The different pieces of filter are stuck together with heat, and are also glued to the glass with double-sided zeal. A template has been used with measures of the window, to the composition. The colours of the filters are 9 in total. the work is carried out on a glass surface of 5 square meters.

Claudia Maria Cruceru, geb. 1992 in Friedrichshafen, DE
Universität für bildende Kunst „Miguel Hernández“, Sant Joan, Spanien
seit 2012 Malerei und Grafik, Kunstuniversität Linz bei Prof. Ursula Hübner
seit 2013 Mediengestaltung, Kunstuniversität Linz bei Prof. Sonvilla-Weiss

 

Paul Ess
Licht aus der Leitung
, 2015
Waschbecken, Licht, Wasserdampf

Für den Künstler steht Licht als Metapher für Leben. Licht ist, genauso wie Wasser, durch nichts ersetzbar und für uns Menschen lebensnotwendig. Manche Menschen behaupten sogar, sich ausschließlich von Licht ernähren zu können. Die Installation soll genau darauf aufmerksam machen und zeigt ein ausgetrocknetes Waschbecken, das Licht an Stelle von Wasser spendet. Der Künstler arbeitet mit der vorgefundenen Szenerie und bindet die Toilette und das Waschbecken in seine Installation ein.

Paul Ess, geb. 1987, Melk, NÖ
seit Oktober 2014 Lehramtsstudium für Bildnerische Erziehung und Werkerziehung an der Kunstuniversität Linz
2005–2007 Architekturstudium an der TU Wien
2005 Matura im ORG Melk mit künstlerischem Schwerpunkt

 

Klaus Gölz
Amazing Brace
, 2013
Lack auf Holz, Draht, Nägel, Neonröhre, Glühbirnen

„Your lounge will benefit of this”. Warme ästhetische Bezüge zur Pop-Art und nostalgische Avancen zu Ree Morton verleihen in Verbindung mit dem Licht-Design der klassischen Diners der „Route 66“ ihrem Ambiente eine Ausstrahlung der kulturellen Sicherheit. Gleichzeitig kann man sich einer ausreichenden
Grundbeleuchtung in den Räumlichkeit erfreuen. Das Besondere an diesem Kunstwerk ist, dass sich niemand jemals darüber wundern oder beschweren wird. Abstürze sind möglich.
„It is only shallow people who do not judge by appearances. The true mystery of the world is the visible, not the invisible…” (Oscar Wilde, The Picture of Dorian Gray)

Klaus Gölz, geb. 1973 Bensheim, BRD
1994–1998 Studium der Kath. Theologie an der Universität Mainz
1998–1999 Studium der Kunstpädagogik und Lehramt Religion in Frankfurt a. M.
1999–2004 Studium an der Akademie der Bildenden Künste Wien, conceptual art /post-conceptual art practices bei Reneé Green und Marina Grzinic
2002–2006 Studium an der Akademie der Bildenden Künste Wien, Bildhauerei bei Bruno Gironcoli
postgraduate studies bei Manfred Pernice
Mitglied der KünstlerInnenvereinigung MAERZ
Studium an der Kunstuniversität Linz, Werkerziehung und Bildnerische Erziehung
Zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland, u.a. Russian Academy of Art (RUS), Salzburger Kunstverein (A), off-space gallery Chicago (USA), Muzej Macura, Belgrad (SRB), Kunstraum NÖ, Wien (A)

 

Christine Gunzer
Gardine 1
, 2015
2-teilige Rauminstallation
Außenraum: Installation Vorhänge und Gobo-Projektion
Innenraum Installation: Vorhänge und Video

Heute werden Gardinen nicht einfach nur für praktische, sondern auch zu dekorativen Zwecken verwendet, so dass sie für Wohnlichkeit und Behaglichkeit sorgen. Sie trennen den Innenraum vom Außenraum, das Private vom Öffentlichen, und dienen als Sichtschutz. Durch die halbtransparenten Musterungen der Gardinen wird das Licht, das durch sie fällt, zu Schattenbildern geformt. In der Arbeit Gardine 1, werden durch die Überlagerungen der verschiedenen Gardinenstoffe neue Muster geschaffen. Der Innen- und Außenraum verschwimmt und kann nicht mehr deutlich abgegrenzt werden.
Ein befremdliches Raumgefühl entsteht.

Christine Gunzer, geb.1990, St. Veit an der Glan, Kärnten
2010–2014 Bachelorestudium Textil.Kunst.Design, Kunstuniversität Linz
seit 2014 Masterstudium Textil.Kunst.Design, Kunstuniversität Linz
seit 2015 Lehramtsstudium Bildnerische Erziehung/Textiles Gestalten
Ausstellungen: 
2013 Ausstellungsbeteiligung IFK WIEN „Different approach same perception“, Ausstellungsbeteiligung Galerie Traun „Signs of consequences“
2014 Einzelausstellung KUG GRAZ

 

Gardine1
© Christine Gunzer

Markus Kager
Mondlicht,
 2015
Klangskulptur

Akku-Lautsprecher mit integrierter SD-Karte
monofonische Wiedergabe Komposition am Klavier

Seit Kindheitstagen suche ich nach wahrhafter Existenz, nach meinem wahrhaften Selbst. Ein langer Weg, auf dem nicht viel von Kultur übrig blieb und der weiter gegangen werden will. Das gefundene Glück ist in Worten nicht fassbar, die Ernüchterung über die Kultur ebenfalls. So sehe ich meinen Beitrag als natürliches Klanggebilde, gepflanzt an einem Ort kulturellen Lärms.

Ganz dem „Diktat“ der Kunst entsprechend, soll mir der kleine Parasit in der Wand alles niederreißen, was dem Leben nicht dienlich ist. Soll berühren, aufwecken und ermutigen Teil dessen zu werden, was Beuys mit „Sozialer Plastik“ gemeint hat.

Wesenhaft-klanglicher Ausdruck patzigen Mondlichts in der architektonischen Konservendose: Mein Bekenntnis, zu dem ich mich verbunden fühle, mein freundlicher Gruß in die Welt.

Markus Kager, geb. 1987, lebt und arbeitet in Graz und Linz
seit 2013 Studium der Kunstpädagogik, Kunstuniversität Linz

 

Yeseul Kwon
Unheimliches Aquarium
, 2015
Interaktive Installation
Projektionsfläche, Taschenlampe

Als ich ein Kind war, fürchtete ich mich vor der Tiefe des Meeres.
Auch heute noch traue ich mich nicht in tiefes Wasser. Die Vorstellung bei Nacht im Meer zu schwimmen, macht mir Angst. Das Wasser ist wie ein unkontrollierbarer Raum.

Die Unergründlichkeit des Meeres oder dunklen Wassers wirken unheimlich auf viele Menschen – Orte, die unerreichbar und abstrakt sind. Was sich unter der schwarzen Wasseroberfläche befindet, bleibt uns verborgen – kalt, geheimnisvoll, völlig dunkel mit unglaublich hohen Druckverhältnissen. Trotzdem gibt es dort die faszinierendsten
Lebensformen, die kaum ein Mensch bisher gesehen hat.

Ein modellhaftes Aquarium projiziert die Tiefsee-Stimmung in unseren Alltag.

Yeseul Kwon, geb. 1992 in Seoul, Süd-Korea, seit 2014 Studium der Textil.Kunst.Design, Kunstuniversität Linz

 

Yeseul Kwon
© Yeseul Kwon

Tanja Leitgeb
Licht-Lollos
, 2015
Perforiertes Papier
70 x 100 cm, mobile Lichtquelle

Strom an, Strom aus. Licht an, Licht aus. Das sind die zwei technischen Zustände aller elektronischen Kommunikation. Und der Lehrer verbildlicht an der Schultafel die digitalen Sprachen mit Einsen und Nullen: Mit den „Ans“ und „Aus’“ der gesendeten Botschaft. Analoge Herzen malende Schüler senken abschätzig den Blick vor den Kolonnen aus Null-Eins-Null-Eins, die sie gelangweilt als Lollos verspotten.

Zarte Hände führen Fineliner unter Tischen. Grobe Hände notieren Elektronik am Tafelbild. Feine Punktzeichnungen entstehen mit analoger Hingabe. Lollos und noch mehr Lollos aus Eins und Null entstehen mit digitalem Fachwissen vorn am Pult. Während unter dem Tisch eine verträumte Zeichnung entsteht, wird am Tafelbild eine rationale Zeichenumsetzung sichtbar.

Mit einer Reißzwecke durchsticht die zarte Hand unter der Bank vorsichtig die gezeichneten Punkte. Mit der Leuchtdiode in einer Taster-Schaltung veranschaulicht die grobe Hand vorne erklärend die Abfolge der Lollos. Nach einer kurzen Weile ertönt der Pausengong.

Daheim durchleuchten die zarten Hände mit einer Taschenlampe das Punktbild. Und plötzlich sind Lollos auf der Zimmerwand. Zeile um Zeile, Licht an, Licht aus. Überall Lollos. Kleines Ärgernis. Aber immerhin: diese sind aus Licht. An und Aus, das sind die technischen Zustände aller Kommunikation. Sogar der schönen.

Tanja Leitgeb, geb. 1992 in Feldbach, studiert Textil.Kunst.Design an der Kunstuniversität Linz. Leitgebs Arbeiten waren Bestandteil einiger Ausstellungen, darunter am IFK Wien, in den Galerien Sturm und Drang (Linz) und Neunzendorf (Ried im Innkreis).

 

Julia Moser
Das Erwachen des Somnambulen
, 2015
Überlebensdecke, Collage

„Das Cabinet des Dr. Caligari“, ein expressionistischer deutscher Stummfilm von Robert Wiene aus dem Jahr 1920, bildet den Ausgangspunkt dieser künstlerischen Arbeit. Im Film wird ein Mondsüchtiger zur Ausführung nächtlicher Morde getrieben. Das Erwachen des Mondes eröffnet dabei das Spiel um Leben und Tod und verzaubert zeitgleich die Kulissen mit einem durch Schönheit anmutenden Licht.
Das gezeigte Objekt greift diese Stimmung auf und transferiert sie in den Ausstellungskontext. Bestandteile einer zerschnittenen und wieder neu zusammengefügten Überlebensdecke bilden die Basis der Arbeit. Das glänzende Material reflektiert den Schein einer externen Lichtquelle nach dem Sonne-Mond-Prinzip und erzeugt eine mystische Raumstimmung, welche verzaubert und beunruhigt.

Julia Moser, geb. 1992 in Hallein
seit 2012 Bachelorstudium Textil.Kunst.Design an der Kunstuniversität Linz
2011–2012  Bachelorstudium Kunstgeschichte an der Universität Wien
2015 1. Platz beim Textildesignwettbewerb i-dott in Manchester, UK
Ausstellungen/Preise:
2015 17. internationalen Minitextile Biennale in Bratislava, SK und Prag, CZ, Stoffmesse Première Vision, Sektor INDIGO in Paris, FR, Soloausstellung im Sub.Violet in Linz/AT
2013 „Johann Baptist Reiter“ im NORDICO Stadtmuseum, Linz/AT;
Soloausstellung in der KG Freiräume in Hallein/AT,
Gewinn des Wettbewerbs „Schwarz/Weiß Körper.Raum.Objekt“ in Kooperation mit der Firma Lenzing AG
2012 Entwurf und Ausführung eines Objektes für den Museumsshop LENTOS Kunstmuseum zur Ausstellung „Der nackte Mann“
2008 Gemeinschaftsausstellung, Al-Tarhal Gallery in Maskat/OM

 

Julia-Moser-'Das-Erwachen-des-Somnambulen'3
© Julia Moser

 

Miriam Neitsch
licht in die schatten oder light conduction to the place where it´s dark
, 2015
Installation
Papprohr, Spiegel, Diaprojektor

Licht wird in die Schatten geleitet. Das Licht entspringt an einem anderen Ort.
Dort, wo die Schatten sind, wird das Licht die Dunkelheit küssen.
Das Rohr ist die Verbindung zwischen Hell und Dunkel, Tag und Nacht, offen und verdeckt. Licht ist eine Ressource. In unseren Häusern ist eine Vielzahl von Leitungen und Rohren verlegt, die uns unsere wichtigsten Ressourcen dorthin leiten, wo wir sie brauchen.

Durch Spiegel ist es möglich das Licht von einem Ort zum anderen zu leiten. Das Rohr kontrolliert den Lichtkegel. Es ermöglicht die gezielte Lenkung an einen Ort, den der Lichtkegel ansonsten nie erreicht hätte.

Miriam Neitsch, geb. 1991, Radstadt, Salzburg
seit Oktober 2014 an der Kunstuniversität Linz, Studium Bildnerische Erziehung und Technische Werkerziehung
Ausstellungen:
2011 „art-music-youth – Vernissage von Jugendkunst“ in Bad Mitterndorf
2009 „artfest 2009 – fantastisch realistisch“ mit Günter Brus in Liezen

 

Christina Peichler
Ansichtssache
, 2015
Plattenspieler, 2 Schallplattenobjekte, gerichtetes Licht

Die Installation Ansichtssache widmet sich dem absurden Unmöglichen: einem Paradoxon. Das Wort „Wendepunkt“ ist scherenschnittartig aus einer Schallplatte geschnitten. Die auf einem alten Plattenspieler rotierende Platte wirft das Wort als Schattenbild an die Wand: Anfang – Ende – Umkehr.

Eine externe Lichtquelle, die an das kleine Regal geklemmt ist, auf dem der Plattenspieler steht, ist begrenzt mobil und von den BetrachterInnen justierbar. Durch die Drehbewegung wird der Schriftzug wieder und wieder auseinander gezogen und zusammengesetzt.

Christina Peichler, geb. 1989 in Graz
seit 2014 Lehramt Studium (BE/MG/WE), Kunstuniversität Linz
2011–2013 Kolleg für Objektdesign HTL Glasfachschule Kramasch,
bis 2008 HTL Ortwein
Ausstellungen: 
2008 „Projekt 08“ Landesmuseum Joanneum Graz
2013 Design & Erfindermesse Innsbruck, Diplomprojekt „Paper-Wall“
2015 REMIX Mediengestaltung, Tabakfabrik Linz

 

Vanessa Pichorner
Dem Dunkel ausgesetzt
, 2015
Bett, Bettdecke, Video

Es ist dunkel, alles ist Schwarz, vorerst ist nichts zu erkennen. Es erstreckt sich ein Schatten, erzeugt durch eine Lichtquelle. Die Proportionen sind verzerrt. Im Schatten sind minimale Bewegungen erkennbar, die wie Linienbänder wirken. Diese – teils schwingend, hell bis dunkel – ergeben eine abstrakte Komposition, einen unregelmäßigen Wandel von Licht und Schatten. Einzelne Lichtpunkte flackern kurz vor den Augen auf. Es ist der Beginn einer Auseinandersetzung mit dem Raum. Doch die gewohnte Wahrnehmung versagt, kein Gegenstand lässt sich genauer einordnen. Die Realität wird zu einem nicht identifizierbaren Abbild, undefinierbar doch von Dichte und Mächtigkeit geprägt. Die Orientierung geht verloren, die Ängstlichkeit steigt. Eine hilflose Suche nach Klarheit, Übersichtlichkeit.
Doch sie bleibt vergeblich, denn am Ende wird die Illusion, der Traum, die Selbsttäuschung immer deutlicher und überzeugender. Der architektonische sowie der virtuelle Raum lassen sich nicht auflösen. Schutzsuchend bleibt nur der Rückzug ins Bett, unter die Bettdecke.

Vanessa Pichorner, geb. 1994 in Wien
seit 2014 Bachelorstudium Textil.Kunst.Design, Kunstuniversität Linz
2009–2014 CHS Villach, Centrum Humanberuflicher Schulen, Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe, Schwerpunkt Künstlerische Gestaltung

 

Vera Rupp,
Drahtlein dreh dich.
, 2015
Drahtobjekte, mobiles gerichtetes Licht

Das hängende Objekt Drahtlein dreh dich, inspiriert von Bruno Munari, ist ein Experiment mit feinstem Drahtgewebe. Es ist nahezu weich und unbedenklich. Minimale Berührungen können seine Form ändern. Die zarte Struktur und sein Schatten machen einen Moiré-Effekt sichtbar, lassen die Betrachter in eine surreale Welt eintauchen. Durch äußere Einflüsse in Bewegung gesetzt, wirkt es lebendig und
abwechslungsreich. Please touch it! Move it! Scheue dich nicht einzugreifen, wäre doch zu schade, wenn sich die Vielfalt des Drahtgeformten nicht in seiner vollsten Pracht zeigen dürfte. Die Maschendrahtgebilde benötigt gerichtete Lichtquellen, sie fungieren als Sucher in der Ausstellung. Die Schattenwirkung lebt vom Spiel mit Bewegung, Distanz und Nähe.

Vera Rupp, geb. 1993, Graz
seit Oktober 2012 Kunstuniversität Linz, Bildnerische Erziehung und Textiles Gestalten
2011–2012 Kostümbild (u.a. auch Bühnenbild, Statistin) am Burgtheater Wien
2007–2011 BORG Deutschlandsberg, Bildnerisch/Musischer Zweig
Ausstellungsbeteiligungen: 
2015 „Erweiterte Körper“, Miura Makoto; „Malt Muster“, Gilbert Bretterbauer und Constanze Schweiger

 

Adina – Daniela Socoliuc
(Fake) Stromkabel: Ort
, 2015
Installation
Kabel, Rasterblech, Externes Licht

Um elektrisches Licht in die Dunkelheit zu leiten, braucht man eine Stromquelle, Stromkabel, eine Lampe. In diesem Fall wird ein Stromkabel in einer ungewohnten, wilden, freien Darstellung benützt. Das Kabel ist nicht mit einer Stromquelle verbunden, wird durch ein externes Licht angestrahlt und so selbst zur künstlerischen Inszenierung. Das Kabel erscheint lebendig und organisch und lässt viel Raum für Interpretation.

Adina – Daniela Socoliuc, geb. 1984, in Suceava, Rumänien
Gesamtschule in Suceava mit Schwerpunkt Musik und bildende Kunst
Hochschule Kunst Liceum in Rom, Abschluss 2005
2006–2007 Fachrichtung Malerei an der Accademia di belle arti in Rom
Erfinderpreis „Edison“ 2015 in Bronze
seit 2014 Studium Bildnerische Erziehung und Werkerziehung an der Kunstuniversität Linz

 

Julia Steiner
Spiegelreflexe
, 2015
Mobile mit Autospiegeln, Motor

Spiegelreflexe stellt eine Reise in die Ungewissheit des eigenen Ich’s und der Wertigkeit des Begriffes ‚Form‘ bzw. ‚Funktion‘ dar.

In der Installation werden Autospiegel als Mobileelemente durch einen Motor im Kreis gedreht und von einer Lichtquelle beleuchtet. Es ergibt sich ein unberechenbares Bild aus Lichtreflexionen und Schattenformen. Die BetrachterInnen werden durch ihr eigenes Spiegelbild aktiv in den Prozess eingebunden und beeinflussen das  augenblickliche Ergebnis. Der Spiegel steht für ein Zusammentreffen aus Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Er ist zentral für die Selbstwahrnehmung und bildet ein Paralleluniversum. Das Setting in einer alten Tankstelle kann als Metamorphose der „Gegenständlichkeit“ verstanden werden.
Die BetrachterInnen sollen aktiv zum Reflektieren der Innen- und Außenwelt angeregt werden und so ein individuelles Erlebnis erfahren.

Julia Steiner, geb. 1993 in Linz
seit 2014 Lehramtsstudium an der Kunstuniversität Linz, Mediengestaltung und Technik & Design / Werkerziehung
seit 2013 Studium der Theater-, Film-, und Medienwissenschaft an der Universität Wien 
Ausstellungsbeteiligung/Gruppenausstellung:
2015 Ausstellung Remix, Portiersloge der Tabakfabrik Linz Projekt: Metamorphose

 

Pia Sternbauer
Untitled
, 2015
Leuchtobjekt
Leuchtschrift, LED-Strahler, Folienschrift

„Der Mensch der Gegenwart ist schattenscheu – so auch seine Kunst?“

Die Lichtinstallation an der Fassade eines Parkhauses agiert mit Sprache als Rohmaterial. Ein Satz wird als Grundmuster eingeführt. Er erscheint als Folienbild auf Lichtelementen. Durch deren Zu- und Wegschaltung wird der Satz mehrfach variiert. Annagramm oder Chiffre? Was steckt in einer Anzahl von Zeichen und Wörtern? Der Ausgangssatz wird durch seine Abwesenheit zunehmend zentraler.

Die Arbeit soll in der dunkelsten Jahreszeit, in der wir von Schatten umzingelt sind, den Blick schärfen und das Verhältnis verbessern – um einen Schritt aufeinander zuzugehen.

Pia Sternbauer, geb. 1993 in Wels
Studium Lehramt Mediengestaltung und Bildnerische Erziehung, Kunstuniversität Linz
Ausstellungsbeteiligung/Gruppenausstellung: 
2015 Ausstellung Remix, Portiersloge der Tabakfabrik Linz

Ilona Stuetz
Unter der Haut
, 2015
5-teilige Serie von Illustrationen

Zeichnungen mit Fine Liner, Ausführung in verschiedenen Medien (als Linolschnitt Drucke, Digitaldrucke, Zeichnung direkt an der Wand) 5 x A3 (297 x 420 mm)

Der Titel der Serie verweist auf den Film „Under the Skin“ aus dem Jahr 2013. Es ist eine Annäherung an den Moment, kurz bevor eine Situation und deren mögliches Gefahrenpotential evaluiert wird. Der emotionale freie Fall. Der kalte Schauer. Der steigende Puls.

Die Reduktion auf Schwarz und Weiß und das Verwenden der Negativform greift Gestaltungsmittel des Film Noir und dessen starke Kontrastsetzung. Melancholie, Entfremdung, Ambiguität, Unsicherheit, Ernüchterung, Desillusionierung, Verzweiflung, Paranoia – oder vielleicht doch nicht.

Ilona Stuetz, geb.1989, Oberösterreich
ab 2012 Studium BA Textil.Kunst.Design, Lehramt Textiles Gestalten, Bildnerische Erziehung und Mediengestaltung, Kunstuniversität Linz
Ausstellungs- und Festivalbeteiligungen: 
2013 johann baptist reiter, Nordico Stadtmuseum Linz; same perception, different approach, IFK Wien
2014 Raumschiff, Linz
2015 premiere vision, Textilmesse Paris; Crossing Europe; kunstfrischmarkt, Wien; remix Jahresausstellung Mediengestaltung, Tabakfabrik Linz

 

Vildan Turalic
mármaros x
, 2015
Projektion von Ausschnitten digitalisierter Röntgenbilder

Ausschnitte digitalisierter Röntgenbilder werden von Innen nach Außen auf die Glasfront des ehemaligen Eingangsbereiches projiziert. Die Ausschnitte der Bilder sind so gewählt, dass sie nicht unmittelbar auf das Ausgangsmaterial schließen lassen. Eher evozieren sie Gedanken an die Patina so mancher Oberflächen, Rauch oder die Ästhetik eines Marmorblocks. Das durch X-Strahlen hervorgebrachte Bildmaterial wiederholt als Projektion den Durchleuchtungsprozess mittels Röntgengerät, es zeigt den Kontrast zwischen der „organischen Struktur“ des menschlichen Aufbaus und
der vom Menschen gemachten Konstruktion.

Vildan Turalic, geb. in Bosnien und Herzegowina, lebt und arbeitet in Linz
1992 Emigration nach Österreich
Studium am Institut für Kunst & Bildung und am Institut für Bildende Kunst, Kunstuniversität Linz

 

Urban Lang,
Ohne Titel
, 2015
Malerei, UV-Licht, interaktiv

 

Nino Wallisch,
Koffer-Raum
, 2015
Koffer, Scheibenwischer, Motor, Rücklichter, div. elektronische Bauteile

Kraftfahrzeuge bringen uns von A nach B, von B nach C und manchmal noch viel weiter. Sie schaffen uns einen Raum, uns unabhängiger zu bewegen. Nachts setzen wir uns in unsere „mobilen Häuser“, legen unendlich weite Strecken hinter uns, wobei wir dem künstlichen Licht ausgesetzt sind.. Bei Schlechtwetter sind unsere Scheibenwischer eingeschaltet, um unseren ständigen Bewegungsfluss nicht
unterbrechen zu müssen, aber sie unterbrechen unsere Sicht in einem sich wiederholenden Rhythmus und andauerndem Takt, den roten Lichtern folgend.

Nino Wallisch, geb. 1995 in Kärnten
2006–2011 Schülerin des BRG Viktring (mit künstlerischem Schwerpunkt)
2001–2014 Schülerin des BORG Klagenfurt (ebenfalls mit künstlerischem Schwerpunkt)
seit 2015 an der Kunstuniversität Linz, studiert Bildnerische Erziehung und Werkerziehung/ Technik und Design
Ausstellungsbeteiligung/Gruppenausstellung: 
2012 eigene Ausstellung in einem Tenniscafé, Klagenfurt
2013 Beteiligung an der Ausstellung „Jugend-malt“; mehrere Vernissagen Beteiligungen im Rahmen der Sommerakademie Griechenland

 

Julia Weinknecht,
Schattensprung
, 2015
Videoinstallation –
Konzept (Collage)

Entscheidungen beeinflussen nicht nur den Verlauf des Lebens, sondern sind Ausdruck unseres Daseins. In der Arbeit Der Schattensprung versuche ich mich dem Ausdruck „Über den eigenen Schatten springen“ mit Hilfe von Licht und Schatten visuell anzunähern. Licht und Schatten, Ying & Yang, Kopf und Bauch, stehen sich zwar gegenüber aber gehören letztendlich zusammen. Doch immer wieder befinden
wir uns gerade an solchen Schnittstellen, bewegungslos, zaudernd, und hoffen auf einen Hinweis von außen, auf den wir uns notfalls ausreden können.

Die/der RezipientIn hat die Möglichkeit sich selbst seinem Schatten zu stellen. Wird sie/er springen?

Julia Weinknecht, geb. 1988, Wien
Studium Plastische Konzeption/MA an der Kunstuniversität Linz

 

Nora Wimmer
DarkBox
, 2015
Kartonobjekt, diverse Materialien, Element der Vermittlung

Sich mit den eigenen Ängsten auseinander zu setzen, ihnen gegenüber zu treten und ins Auge zu blicken führt oft zu der Erkenntnis, dass das Fürchterliche nicht real ist, sondern im Kopf entsteht. Die Angst krabbelt wie eine Spinne in uns, webt sich ein Netz in unsere Hirne und verhängt den Verstand. Die Auflösung dieses Gewebes kann angenehm schauderhaft, spannend und lustvoll sein, in jedem Fall stellt sie immer wieder eine Notwendigkeit dar, um einen klaren Blick auf die Welt und das Leben zu
behalten.

Nora Wimmer, BA, geb. 1985 in Innsbruck
studierte Textil.Kunst.Design in Linz und Bukarest
seit 2015 Lehramtsstudium Bildnerische Erziehung und Textiles Gestalten an der Kunstuniversität Linz. Neben eigenen Modekollektionen und der Mitarbeit beim kunstpolitischen Verein Radikales Nähkränzchen beschäftigt sie sich in ihrer künstlerischen Arbeit hauptsächlich mit den Themen Weiblichkeit, Geschlecht, Sexualität, Körper und Feminismus. Darüber hinaus war sie für Theater- und Opernproduktionen tätig und publizierte 2014 den Roman Geldspiel ohne Ende.
Ausstellungsbeteiligungen in Linz, Innsbruck und Bukarest

 

Sabine Watschka & Michael Oskar Wlaschitz
AUTO-MOBILE
, 2015
Rauminstallation
pedalbetriebenes Mobile aus Fahrrad- und Auto-Komponenten, Schattenspiel
2 m x 3 m x 5 m

Bei den meisten technischen Geräten, die wir heute verwenden verdeckt das Design jene Technologie, welche die Funktion ermöglicht. Häufig ist aber auch der Verwendungszweck des Geräts nicht mehr auf den ersten Blick erkennbar.Anders bei der Maschine AUTO-MOBILE, deren Technik und Funktionsweise gleich die Gestaltung ist. Es handelt sich um eine Maschine zur Erzeugung von Schattenbildern, die in ihrem Aufbau an ein Mobile erinnert. Sie kommt ganz ohne künstliche Energieträger aus, denn sie wird rein durch menschliche Kraft betrieben und gesteuert. Zugleich wird ihre äußere audiovisuelle Gestalt durch die Person, die sie bedient animiert. Die BetrachterInnen werden zu AkteurInnen, wenn sie auf dem Fahrrad sitzen, über das sie die gesamte Gerätschaft in Bewegung versetzen. So werden sie zu einem Teil des Kunstwerks. Darüber hinaus können sie dieses auch noch mit- bzw. umgestalten. Die
einzelnen beweglichen Elemente können auf inhaltlicher Ebene erweitert oder auch verändert werden.

Das Herzstück der Maschine ist ein fix installiertes Fahrrad, das als Antrieb dient. Über mehrere Fahrradketten werden Fahrradräder, eine Kurbelwelle eines Automotors, ein Motorgetriebe, eine Waschmaschine, und andere bewegliche Elemente angetrieben. An diese Komponenten werden unterschiedlichste Objekte angebracht, die mit ihnen in Bewegung geraten. Beleuchtet werden sie über Dynamolichter, die ebenfalls durch das Fahrrad betrieben werden. Die gesamte Maschine wird von der Seite mit zwei Scheinwerfern beleuchtet und wirft somit Schatten auf eine weiße Leinwand.

Sabine Watschka, geb. 1990, Ybbs an der Donau
seit 2013 Studium der Technischen Werk Erkerziehung an der Kunstuniversität Linz
Ausstellungsbeteiligungen: 
2015 Preisträgerausstellung e.o.plauen Nachwuchspreis für Handzeichnung
Michael Oskar Wlaschitz, geb. 1980, Wien
seit 2013 Studium der Technischen Werk Erziehung an der Kunstuniversität Linz,
davor Theater-, Film und Medienwissenschaften, Kunstgeschichte, Publizistik, Philosophie, Geschichte
Projektbeteiligungen: 
1999–2002 TIV, Wien; 2002–2005 MS Stubnitz, Rostock; 2007–2013 Bikekitchen, Wien, 2012–2015 OpenAir, Ottensheim
Ausstellungsbeteiligungen: 
Best Off 2014 Titel der Arbeit: Memorial Perspectives
2015 Goldafter Antikuratorium #1, Floating Village, Fotoausstellung „Empress”, Remix Goldafter Antikuratorium #4

 

Erich Willner
Die Lichtschranke
, 2015
Rauminstallation mit Licht und Spiegeln

Lichtschranken erfüllen viele Aufgaben. Wir begegnen ihnen täglich. Unter anderem öffnen sie Türen, im Einkaufscenter oder Lift, wo man sie manchmal unterbricht, um einen verspäteten Fahrgast noch einsteigen zu lassen. Sie dienen manchmal auch als Schutz und Abwehr. Wir kennen das aus klassischen Spionagefilmen, wo dutzende quergekreuzte Laser ganze Räume schützen, die Dokumente, Mikrofilme etc. enthalten und der smarte Agent diese Sicherheitsvorkehrung zu umgehen versucht.

Das Sujet und die Bezeichnung „Lichtschranke“ erzeugt Spannung und steht für Öffnung, aber auch für Abwehr. Licht assoziiert man mit positiven Themen, beispielsweise mit leben, leuchten, erleuchten usw.
Die Schranke wiederum verbindet man mit: Stopp, beschränken, verschränken.
Diese Ambivalenz weckte das Interesse, dieses Werk zu entwickeln. Jedoch wird bei dieser Installation weder ein Alarm ausgelöst, noch öffnet sich eine Tür automatisch.

Erich Willner, geb.1980
seit 1992 Graffiti-Kunst
2005–2011 Studium der Kunstgeschichte in Salzburg
2014 Lehramtsstudium für Bildnerische Erziehung und Technik/Design an der Kunstuniversität Linz

„Method Writing“ statt „Writing Method“

Chvatal Erfolg
(c) Renée Chvatal

Im künstlerischen Einzelunterricht „Schreiben und Milieu“ ging es ebenso wie beim nächstes Jahr wieder angebotenen „Texten und freien Schreiben“ darum, dass jede/r – wirklich jede/r – seine oder ihre eigene Stimme zu finden versucht. Grundlage dafür ist die Einübung in ein möglichst breites Spektrum an Textsorten, Übung, laufende Korrekturen und – Freude!

Warum ist eine eigene Stimme auch für KünstlerInnen und DesignerInnen wichtig, die das Schreiben nicht zum Beruf machen wollen? Die schlichte Antwort: Weil wir alle als KünstlerInnen zusehends öfter aufgefordert sind, uns schriftlich zu unserer Kunst oder der von anderen zu äußern. Man denke nur an Sponsoring-Anfragen, Stipendienansuchen oder Werbetexte für eigene Produkte und Ausstellungen. Die eigene Stimme ist aber nicht bloß individuelle Note, sondern zudem die einzige Möglichkeit, dass auch Menschen, die von sich aus nicht zur sprachlichen Äußerung neigen, Freude beim Schreiben verspüren. Und nur kreative Produktion, die Freude macht (abgesehen natürlich vom endlosen Korrigieren, Feilen und Tüfteln), ist gute kreative Produktion!

Alle Kunst hat Vorbilder. Der amerikanische Dichter Donald Barthelme meinte sogar, die Schriftstellerei sei nichts als die „Akkumulation von (literarischen) Vätern“. Im SoSe 2015 haben wir uns zur Lockerung mit verschiedenen schriftlichen Formen wie Liedtexten, Gedichten oder Theorie beschäftigt, uns „eingegroovet“, um dann selbst ähnliche Texte zu schreiben. Auch das Versetzen in die schreibende und argumentierende Rolle anderer stand auf dem Programm, denn gutes Schreiben ist immer auch „Method Wrtiting“ – das Hineinversetzen in andere, in AutorInnen, aber auch in Lesende, kurz in alle, die man vom eigenen Gedanken begeistern, schockieren, überzeugen will.

Hier vier Beispiele aus unserer Werkstatt.

* * *

Mit seiner so markanten Rhetorik ist Thomas Bernhard wohl der Dichter deutscher Zunge, dessen Nachahmung für junge SchriftstellerInnen fast unvermeidbar ist. Unzählige DichterInnen hatten und haben ihre TB-Frühphase. Wir haben diese forciert! Nach der abwechselnden lauten Lesung von 50 Seiten aus Bernhards Alte Meister, gleichsam einem Hauptwerk des „Neurolingistischen Programmierens“, entstand diese prächtige Nachempfindung von Julia Brandstetter zum Thema „Im Aktzeichensaal“.

Der Aktsaal

von Julia Brandstetter

Normalerweise wird im Aktsaal aktgezeichnet. So stellt man sich das üblicherweise vor, im Aktsaal wird aktgezeichnet, es steht eine Person mitten im Raum, das Aktmodell, nimmt eine zeichenwürdige Position ein und ringsherum sitzen mehr oder weniger zeichenwütige Studenten, die versuchen, die zu aktzeichnende Person möglichst naturgetreu abzuzeichnen.

Doch das gelingt nur wenigen, denn viele zeichnen nur Akt, weil sie den Kurs belegen müssen und gar nicht wissen, was sie da eigentlich tun. Sie setzen sich irgendwo hin, achten nicht darauf, welchen Blickwinkel sie dadurch einnehmen, packen alles mit ihren Aktzeichensachen voll und beginnen zu zeichnen. Sie beginnen so leidenschaftslos aktzuzeichnen, dass man es ihnen von der Weite an sieht, dass sie nur die Zeit absitzen um ihre Punkte für den Kurs zu erhalten.

Die Professorin zieht ihre Kreise um das Aktmodell und die rundherum sitzenden Studenten. Sie zieht ihre Kreise wie ein Raubtier um irgendwann eine Studentin heraus zu picken wie ein schwaches Wild, dass sie erlegen kann. Wie viele Lehrende sucht sie sich nur die Fehler heraus, die Fehler, die sie kritisieren kann und über die sie sich wiederholt auslassen kann.

Bei jeder Studentin, an der sie vorbei geht, spannen sich erst die Schultern an, um sich dann, sobald die Professorin wortlos vorbeigegangen ist, wieder merklich zu entspannen.

Die Professorin zieht ihre Runden wie ein Raubtier auf der Suche nach Nahrung, geht von einer Studentin zur anderen, sieht jeder über die Schulter und findet überall einen gravierenden Fehler, einen Fehler den sie dann genüsslich ausbessert, hin und wieder sogar eigenhändig. Sie reißt der Studentin den Stift aus der Hand und zeichnet selber auf dem Papier der Studentin. Sie erklärt manchmal nicht lange, sondern bessert die Stelle einfach aus. Sie bessert die Stelle in einer Art und Weise aus, dass die Zeichnung hinterher noch schlimmer aussieht als vorher, als wolle sie extra auf den Fehler hinweisen, so, dass die Zeichnung hinterher zu schreien schien: „Seht her, hier ist der Fehler!“

Überzeugen ist als KünstlerIn Pflicht! Überzeugen heißt aber auch, sich von der eigenen Meinung taktisch temporär zu distanzieren, um Ressourcen freizubekommen für künstlerisch-technische Belange. Je weiter entfernt man von einer Meinung steht, desto besser kann man die Technik üben, etwas kalkulierend mit Verve zu vertreten. Unsere Aufgabe lautete, bestechend zu argumentieren, „warum der Staat seine BürgerInnen möglichst lückenlos überwachen soll“. Eva Wutte hat sie bravourös gemeistert!

Willkommen im Überwachungsstaat!

von Eva Wutte

Es gilt: “Gleiches Recht für alle!“

Der Staat will durch ein einheitliches Überwachungsgesetz gleiche Sicherheit für alle seine Bürger und Bürgerinnen schaffen. Ohne jeglichen Gedanken an Eigennutzen. Denn es ist für alle da!

Obgleich man sich, natürlich, seinen Freiheitsrechten und seiner Privatsphäre bewusst ist, darf man keine falsche Scheu vor einem offenen Umgang mit privaten Inhalten haben.

Denn durch gewisse, einheitliche Einschränkungen soll vor einem möglichen öffentlichen Chaos und vor allem Diskriminierung bewahrt werden.

Die Leute werden offener, da sie einen freien Umgang mit ihren Daten und persönlichen Meinungen lernen.

Wodurch eine öffentliche Meinung unterstützt wird und so Rassismus vorgebeugt wird.

Wenn der Staat dich überwacht, will er nicht in deine Privatsphäre eingreifen, sondern versucht damit für dich und deine Mitbürger den höchst möglichen Sicherheitscomfort zu schaffen.

Was dir doch ein viel leichteres, sorgenfreieres Leben ermöglichen würde.

Verbrechen können früher erkannt, Verbrecher schneller gefasst werden.

Internet, Handy oder einfacher gesagt dein gesamter Datenaustausch wird sorgfältig überwacht und kontrolliert. So besteht die Möglichkeit, dich auf jeden fall noch vorzeitig zu informieren, also noch bevor ein Verbrechen überhaupt geschehen kann.

Du brauchst dir über deine Sicherheit keine Sorgen mehr zu machen, denn der Staat überwacht dich.

Außerdem gilt, wenn du dir nichts zu Schulden kommen lassen hast, brauchst du auch nichts zu befürchten.

Mach Dir keine Sorgen!

Alles wird gut!

Mit dem einheitlichen, staatlichen Überwachungsgesetz!

Nach dieser Übung in Un-Authetizität kam die Authentizität oder jedenfalls ihre Nachahmung zum Zuge. Und was eignete sich dazu besser als das gute alte genre des Schlagertexts? Zur Einstimmung lauschten wir ein paar Klassikern des Genres. Daraufhin schrieb ich

Am Fenster

von Thomas Raab

Endlich sitze ich am Fenster
allein, denn du wolltest nicht
mit mir zu zwei’n am Fenster sein
und jetzt seh‘ ich mein Gesicht

im Spiegel, der die Welt bedeutet
im Fensterglas, hinter dem läutet
die Glocke zur kirchlichen Marie
so verzagt war ich noch nie

(Refrain:)
Du hast mich einfach sitzen lassen
du hast mein Leben abmontiert
du hast mich von der Wand gepinnt
du weißt, dass Zeit wie Zeit verrinnt

durch mein Spiegelbild erkenn‘ ich:
schwarze Wolken ziehen auf
und, hör‘ zu, bald komm‘ ich drauf
ohne dich kein Spiegelbild

ohne dich kein Lebensmotto
ohne dich kein Nichtallein
ohne dich nur Zahlenlotto
ohne dich kein Zweisamsein

(Refrain:)
Du hast mich einfach sitzen lassen
du hast mein Leben abmontiert
du hast den Spiegel vollgehaucht
jetzt bin ich es, die/der dich braucht.

Ergriffenheitsähnlichkeiten zu Townes van Zandts At My Window sind unbeabsichtigt und zufällig!

Renée Chvatal stellt für textileforce eine eigene, überzeugende Gedankenminiatur zur Verfügung. Sie ist nicht nur ein gutes Beispiel für freies Schreiben in der eigenen Stimmlage, sondern auch dafür, dass Kunst und Design auch von philosophischen Ideen getrieben entstehen kann. Und diese müssen keineswegs im Mainstream des jeweiligen Genres fließen. Im Gegenteil! Auch Ironie darf und muss vielleicht sogar sein.

Happiness Works

von Renée Chvatal

Neben vielen anderen Aspekten bildet Geduld und Selbstdisziplin das Fundament des Erfolges. Um herauszufinden, ob ich die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Leben erfüllen kann, habe ich mich selbst auf die Probe gestellt.

Und siehe da – HAPPINESS WORKS

Pullover_Dieser dient als Visualisierung

Strick_ Verstrickt in den Mustern des vermeintlichen Erfolgs

Papier_ Ist nicht beständig

Fransen_Stagnationsphasen im Erfolgsprozess

 

Erfolg ist ein Synonym für Anerkennung, die im Wertesystem gefangen bleibt, Identitätszuweisung und ein Symbol, welchen Stellenwert man erreicht hat. Etwas, das man im Leben braucht, um glücklich zu werden. Etwas, das voraussetzt, dass man sein Handeln äußeren Anforderungen unterordnet. Durch unsere Gesellschaft und den ständigen Medienwahnsinn, dem wir ausgesetzt sind, ist es schwierig geworden, sich dem Bann des beruflichen Erfolges und der Anerkennung zu entziehen.

Nur das bedeutet Erfolg heute.

Der häufigste Fehler, der in unserer Branche begangen wird ist, dass man einer Tätigkeit nachgeht, die man zwar gut kann, aber ungern macht. Dieser strategische Fehler führt außerdem dazu, dass viele denken, dass Dinge, die erfolgreich bewältigt, automatisch Glück bedeuten. Man unterliegt der Verlockung von Äußerlichkeiten wie Geld, Macht und Status.

Doch wer wirklich glücklich und erfolgreich zugleich sein will, braucht den Mut und die Konsequenz, Dinge zu tun, die er oder sie wirklich gerne macht. Denn erst dadurch kommt der Erfolg auf die richtige Bahn.

ERFOLG MACHT KEINEN MENSCHEN WERTVOLLER.

In diesem Sinne: Schönen Sommer!

 

Cadavre exquis

Wir von „Schreiben und Milieu“ haben gemeinsam eine schöne Leiche geschrieben!

„Cadavre exquis“: Es ist dies ein Kollektivgedicht, das entsteht, wenn jede/r seinen Beitrag unabhängig von den vorigen untereinander auf ein Blatt schreibt. Erfunden, wenn man das so sagen kann, haben die Methode ein paar Surrealisten in Paris vor etwa 100 Jahren. Eines ihrer Ziele war, das Gewollte, das Geplante, das Denken, das in Texten und bildnerischen Kunstwerken durchzuscheinen neigt, zu verhindern, um ins Ungeahnte „vorzustoßen“.

Nichtsdestoweniger merkt man, glaube ich, dass wir uns vor der Verfassung mit der Kunst des Paläolithikums beschäftigt haben!

Ringsumher

Ringsumher, nieder mit dir,
und ich seh dich oben,
nicht dein Auge, nur deine Form,
verborgen im Halbweiß stehen –
Tupfen, Striche, das Pferd und dann
der Löwe
wie ein Kind seine Wahrnehmung, Gefühle darzustellen…
Oder wie ein Steinzeitmensch?
Während die Männer eifrig dabei sind
Bären zu jagen, sitzen die Frauen
im Kreis
und befreien sich gegenseitig vom Ungeziefer
und die Farbe hält…
Der rote Fuchs blickt stolz auf den Ring und
verlässt den Raum
in der Höhle des Löwen, Büffel und Bären
ließ er sich in seinen Gedanken nicht stören –
und es vermag das Gestein allein
aus den Spuren der Zeit
zu lesen.